m Kaminfeuergespräch mit Jacqueline Badran

Am 10.9.2015 fand im Mitarbeitendenfoyer der PH Zürich ein äusserst angeregtes Gespräch mit Jacqueline Badran statt. Anwesend waren 12 Mitglieder des Liberty Club. Die Nationalrätin erklärt, weshalb sie sich mit so viel Herzblut für Benachteiligte in unserer Gesellschaft einsetzt. So engagiert sie sich gegen die ungerechte Verteilung von Chancen und Gütern, Vermögen und Einkommen sowie gegen die Ausbeutung natürlicher Ressourcen und der damit verbundenen Zerstörung der Umwelt.

Bereits in den 70-iger Jahren - während ihrer Mittelschulzeit - wurde sie durch ihre Lehrerinnen und Lehrer politisiert. Im Geographie – und Geschichtsunterricht wurden gesellschaftspolitisch relevante Themen diskutiert. Sie sei damals nicht die Einzige gewesen, die sich für ökologische und andere politische Fragen interessiert habe. Es sei auch eine Frage des Zeitgeistes gewesen. Sie nimmt heutige junge Menschen als apolitischer wahr und stellt sich immer wieder die Frage, wie dies geändert werden könnte.

Jacqueline Badran absolvierte zwei Studien: Biologie und Wirtschaft. Auf die Frage weshalb sie gerade diese beiden Studienfächer gewählt habe, erzählt sie eine Geschichte: nach der Matura konnte sie sich nicht zwischen Jura und Biologie entscheiden. Einerseits hegte sie gegenüber den Jus-Studentinnen mit den Hermès-Foulards eine Abneigung, andererseits war sie sich nicht sicher, ob sie tatsächlich ein naturwissenschaftliches Studium absolvieren solle. So liess sie „ihr Mofa“ entscheiden, indem sie die Rämistrasse hinauffuhr. Falls das Mofa beim Hauptgebäude der Universität stoppen würde, nähme sie ein Jurastudium in Angriff... Das Mofa hielt nicht an und fuhr weiter mit ihr bis zum Irchel.

Nach Abschluss des Biologiestudiums arbeitete sie einige Jahre in der Privatwirtschaft. Jacqueline Badran ärgerte sie sich in dieser Zeit jeweils, wenn sie den Wirtschaftsteil in der NZZ las und sie die Inhalte nicht verstand. Deshalb entschied sie sich an der HSG berufsbegleitend ein Studium in Wirtschafts– und Staatswissenschaften aufzunehmen.

Beide Ausbildungen würden ihr heute helfen die Welt besser zu verstehen, meint sie und sie seien ausserdem eine der Grundlagen ihrer politischen Schwerpunkte (Umwelt und Wirtschaft).

Ein grosses Interessengebiet in ihren politischen Aktivitäten sind die Themen Immobilienbesitz, gemeinnütziger Wohnungsbau und bezahlbare Mieten. Grosse Sorgen macht ihr, dass in den Stadtzentren nur noch internationale Ladenketten die horrenden Mieten bezahlen können. Die Verdrängung des Gewerbes aus der City ist ein Verlust an Vielfalt und hat existenzielle Folgen für Kleinunternehmen.

Nach zwei Stunden - beim anschliessenden Apéro - erzählt die Nationalrätin von ihrem Betrieb und welche Prinzipien sie in der Führung des Unternehmens verfolgt. In ihrer Firma mit rund 30 Angestellten hat sie wie Martin Beglinger 2013 im Magazin Nr.4 des Tagesanzeigers schrieb,

„... dort schon mal mit der Überwindung des Kapitalismus begonnen. Alle, die länger als zwei bis drei Jahre bei Zeix arbeiten, sind am Aktienkapital beteiligt.“

Ebenfalls ist die Lohnschere zwischen den Mitarbeitenden gemäss Aussage der Nationalrätin minimal und die Fluktuation dementsprechend gering. Sie hält nichts von Mitarbeiterbeurteilungen, sondern lässt die Angestellten Projekte leiten. Dann würden sich die Stärken und Schwächen in der Arbeit von selbst zeigen.

Angeregt, aber auch nachdenklich beenden wir den geistreichen Abend mit Jacqueline Badran.

21.9.2015/EHA

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